Hundegeschichten - Rundum ein glücklicher Hund

Rundum ein glücklicher Hund
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Was das Auge nicht erkennt

Rundum ein glücklicher Hund
Veröffentlicht in Hundegeschichten · 10 Januar 2021
kann auch die Kamera nicht einfangen...

Was ich damit meine, ist ganz einfach. Wenn das Wetter schlecht ist, nehme ich die Kamera meistens nicht mit und genau dann sehe ich meinen Turmfalken wieder - Glück oder Pech?  Er sitzt ganz still und so nah, dass es eine traumhaft schöne Aufnahme werden könnte. Gestern hatte ich die Kamera, der Turmfalke war da, nur meine Augen sahen ihn nicht. Selbst Angie, die ja immer etwas vorausgeht, störte ihn nicht. Erst als er mich sah, flog er langsam davon. So langsam wie du fliegst, geht deine Reise nicht besonders weit, dachte ich. Keine zweihundert Meter weiter sah ich ihn wieder, gab Angie ein kleines Zeichen, sie setzte sich und ich krabbelte die Bahngleise hinauf. Ein Knacks unter meinen Schuh und schon war er weg.

Angie’s Blick sagte „ich war es nicht“.
„Nein, du nicht, aber ich“ und weiter ging es. Nach dreieinhalb Stunden wollte ich endlich nach Hause. Ich hatte sprichwörtlich „die Nase voll“. Nur Angie war da ganz anderer Meinung.
„Was soll das denn jetzt?“, fragte ich sie.
„Komm einfach mit, ich zeige dir was“.
Also trottete ich hinter ihr her mit meinem Blick immer aufmerksam auf sie gerichtet. Für einen kurzen Moment schaute sie zum Wald, irgendetwas war da, aber aus der Entfernung unmöglich zu erkennen. Für mich sah es aus wie ein abgebrochener Ast. Von wegen, ein abgebrochener Ast, der Lümmel von Turmfalke flog mir wieder vor der Nase weg.
Wenige Tage später, bei strahlendem Sonnenschein und mit der Kamera im Gepäck, ging unsere Motivsuche weiter. Angie führte mich wieder quer feldein feldaus, bis mein Blick sich auf etwas Weißes fixierte. Je näher wir uns heranpirschten, sah ich meinen Turmfalken wieder auf dem gleichen Baum sitzen wie wenige Tage zuvor. Auch Angie hatte ihn bemerkt und setzte sich ohne meine Aufforderung hin. Ihr Gedanke, „bin gespannt, ob Mama es heute schafft, ihn vor die Kamera zu bekommen.“
Schritt für Schritt pirschte ich mich an ihn heran und endlich hatte ich ihn. Die Freude war groß bei uns beiden. Angie hüpfte vor Freude und wedelte mit ihrem Schwanz und weiter ging es. Kurz bevor wir zuhause ankamen, sah ich unseren Freund am Himmel, er hielt nach seiner Beute Ausschau und auch hier gelang es mir, ihn zu fotografieren. Wann immer wir durchs Feld gehen, treffen wir unseren Freund auf seinem Baum an. Es kommt mir vor, als warte er schon sehnsüchtig auf uns.
Die Moral der Geschichte ist: vertraue deinem Hund so, wie er dir vertraut.


Rundum ein glücklicher Hund
Renate Stremme
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